LRS = Lese-Rechtschreibstörung – Was ist das?

Last Updated on 15. März 2022 by Milena Brandt

Dir wird es sicher auch schon so ergangen sein, wenn du dich mit dem Thema LRS näher beschäftigt hast, dass man auf eine Vielzahl von Begrifflichkeiten für dieses Phänomen trifft:

  • Lese-Rechtschreibstörung bzw. Lese-Rechtschreibschwäche (LRS)
  • Legasthenie
  • Lese-Rechtschreibschwierigkeiten
  • Teilleistungsschwäche
  • Dyslexie

Möchtest du es genauer Wissen dann schau gerne in meinem Begriffs-Lexikon nach.

In meinem Arbeitsalltag als Legasthenietrainierin, werde ich auch immer wieder danach gefragt, wie ich LRS definieren würde. Denn viele Eltern sind zum Teil durch die unterschiedlichen Definitionen, die sie so im Internet finden verunsichert. Um es zu Beginn erstmal zu vereinfachen spreche ich fast immer von einer LRS. Und eine LRS liegt vor wenn gravierende Schwierigkeiten beim Erlernen des Lesens und/oder Schreibens vorliegen.

Ja es gibt unterschiedliche Begrifflichkeiten und diese haben auch bestimmte Merkmale in denen sie sich voneinander abgrenzen lassen. Doch für dich als Elternteil oder auch für mich als Trainierin ist es doch erstmal egal wie es nun heißt. Wichtig ist doch erstmal, dass erkannt worden ist, das ein Kind Unterstützung beim Erlernen der Rechtschreibung benötigt. An erster Stelle sollte doch das Ziel stehen, dem Kind zu helfen, bevor es innerhalb der bestehenden Strukturen untergehen zudroht. Ob es sich dabei nun um ein Kind handelt, welches einfache LRS-Probleme hat, oder eines mit grundsätzlichen Lese- Rechtschreibproblemen oder aber um einen Legastheniker spielt für mich eine nicht so große Rolle.

Ich lerne jedes Kind erstmal genau kennen, versuche heraus zu finden, was es gerne macht und welche Interessen es hat. Nur wenn ein Kind zu mir Vertrauen aufgebaut hat, lässt es sich darauf ein, sich von mir helfen zu lassen. Beim Kennenlernen spielt es auch keine Rolle, ob es sich nun um ein Kind mit Lese-Rechtschreibschwäche oder Lese-Rechtschreibstörung oder eben um ein Kind mit einer Legasthenie handelt. Nach dem Kennenlernen und Vertrauensaufbau, muss ich herausfinden, wo das Kind Unterstützung braucht.  Ich mache mir ein Bild davon, auf welcher Stufe ein Kind gerade steht. Nur dann kann ich es auch an der richtigen Stufe abholen und wir können dann dort anfangen, wo es gerade ist und nicht da weitermachen, wo es nach Lernplan stehen müsste.

Aus pädagigischer bzw. therapeutischer Sicht würde ich eine LRS versuchen wie folgt zu erklären

Wenn Kinder anfangen Lesen und Schreiben zu lernen, besteht ein Wort aus unbekannten und unverständlichen Zeichen. Dir, als Mama oder Papa, würde ich immer raten: Stell dir vor du lernst eine neue Sprache, nicht ohne Grund spricht man von einer Fremdsprache, denn zu Beginn sind uns die Schriftzeichen komplett fremd. „你好“ wusstest Du, dass diese, übrigens chinesischen Schriftzeichen, für „Hallo“ stehen? So geht es deinem Kind zu Beginn auch, wenn es anfängt sich mit Buchstaben und Lauten auseinander setzt. Schritt für Schritt wird es im ersten Schuljahr lernen die Zeichen zu entschlüsseln und zu verinnerlichen.

Liegt jedoch eine Legasthenie vor, wird der Lernprozess deutlich erschwert, meistens gelingt es den betroffenen Kindern nicht auf die übliche Art und Weise die Entschlüsselung der fremden Zeichen aufzuschreiben, aber auch umgekehrt fällt es schwer ein gesprochenes Wort in die richtigen Zeichen zu übersetzen.

Definition der Weltgesundheitsorganisation

Eine „umschriebene Lese-Rechtschreibstörung“ (LRS) liegt laut dem internationalen Klassifikationsschema ICD-10 der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vor, wenn anhaltende und eindeutige Schwächen im Bereich der Lese- und Rechtschreibung NICHT auf folgende Kriterien zurückgeführt werden können:

  • Entwicklungsalter
  • Unterdurchschnittliche Intelligenz
  • Fehlende Beschulung
  • Psychische Erkrankung
  • Hirnschädigung

Erscheinungsbild
Im ICD-10 der WHO werden folgende Klassifikationen unterschieden:

  • F81.0 – LESE- UND RECHTSCHREIBSTÖRUNG
    Das Hauptmerkmal der Lese- und Rechtschreibstörung ist eine bedeutsame Beeinträchtigung in der Entwicklung der Lesefähigkeiten. Dies zeigt sich durch Defizite beim Leseverständnis, der Fähigkeit, geschriebene Worte wiederzuerkennen und vorzulesen sowie generell in allen Bereichen, die Lesefähigkeiten erfordern. Zumeist tritt die Lesestörung gemeinsam mit einer Rechtschreibstörung auf.
  • F81.1 – ISOLIERTE RECHTSCHREIBSTÖRUNG
    Eine isolierten Rechtschreibstörung zeigt sich anhand von Leistungsdefiziten im Buchstabieren sowie der korrekten Wortschreibung. Diese Form der Beeinträchtigung tritt isoliert auf, d.h. unabhängig und ohne beobachtbare Schwierigkeiten beim Lesen.
  • ISOLIERTE LESESTÖRUNG
    Die isolierte Lesestörung ist von der WHO noch nicht definiert. Aktuelle Forschungen konnten jedoch zeigen, dass bei etwa 3 bis 8 Prozent der Schulkinder isolierte Lesestörungen auftreten, ohne dass massive Schwächen beim Rechtschreiben zu beobachten sind. In der neuen, aktuell jedoch noch nicht publizierten ICD-Fassung (ICD-11) wird deshalb zusätzlich auch die Kategorie der isolierten Lesestörung eingeführt werden.

weitere
Artikel